Pflasterstein

[EN] An abstract pattern adorns the stone. Images are only vaguely recognizable, shadows of trees. These are ephemeral façade images that Mira Klug would prefer
to remove directly from the walls of buildings, layer by layer, like an archaeologist. She tries to preserve these everyday images in an attempt to recognize their immanent transience.The photographs of the cobblestones show the fleeting gesture of nature. They come from the Per-Albin-Hansson-Siedlung, the first major housing project of the City of Vienna after the Second World War. Sweden provided machinery that was used to produce new bricks from the rubble of destroyed houses. In contrast to many municipal buildings, there are hardly any mosaics or reliefs on the façades, but the estate is adorned with extensive green spaces. Klug recognizes the ornamental quality of the shadows of the trees on the walls and photographs the interplay between nature and architecture. She uses photo emulsion to apply the images to the surface of stones. A vanitas motif subtly appears between the stone and picture plane: the transient shadow created by the sun; the invisible shadow of history, present in everyday life but difficult to perceive.
-Michaela Obermair

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[DE] Ein abstraktes Muster ziert den Stein. Nur vage sind Bilder zu erkennen, Schatten von Bäumen. Es handelt sich um ephemere Fassadenbilder, die Mira Klug am liebsten direkt von den Hauswänden abnehmen würde, Schicht für Schicht, einer Archäologin gleich. Die immanente Vergänglichkeit umgehend, versucht sie diese alltäglichen Bilder zu konservieren. Die Aufnahmen der Pflastersteine zeigen die flüchtige Geste der Natur. Sie stammen aus der Per-Albin-Hansson-Siedlung, dem ersten großen Wohn- bauprojekt der Stadt Wien nach dem Zweiten Weltkrieg. Zur Errichtung der Anlage stellte Schweden Maschinen zur Verfügung, die aus dem Schutt der zerstörten Häuser neue Mauersteine fertigten. Im Gegensatz zu vielen Gemeindebauten sind an den Fassaden kaum Mosaike oder Reliefs zu finden, dafür schmücken ausgedehnte Grünflächen die Siedlung. Klug erkennt die ornamentale Qualität der Schatten der Bäume auf den Wänden und fotografiert das Zusammenspiel von Natur und Architektur. Mit Fotoemulsion bringt sie die Aufnahmen auf die Oberfläche von Steinen. Ein Vanitasmotiv zeigt sich subtil zwischen Gesteins- und Bildebene: der vergängliche Schatten, den die Sonne erzeugt; der unsicht-bare Schatten der Geschichte, der im Alltag vorhanden, aber schwer wahrnehmbar ist.
Sammeln, Ordnen, Verschieben, Neuordnen. Wie in einer Ausgrabungsstätte bringt Klug die Fassadenbilder zu Boden. Mit unbedarfter Neugierde betrachten wir die flüchtigen Aufnahmen in ihrer figurativen Ursprünglichkeit.
-Michaela Obermair

light-sensitive-emulsion
on marble-coated cobblestones /
2022

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